Familienaufstellungen



Familienaufstellungen wurden entwickelt seit den 90er Jahren, ausgehend von den Entdeckungen Bert Hellingers, die dieser, nach seiner Ausbildung in Transaktionsanalyse bei Ruth Mc Clendon, Les Kadis und bei Thea Schönfelder machte. Er erkannte, dass durch eine bestimmte, gesammelte Art des Aufstellens von Stellvertretern für die nicht anwesenden Familienmitglieder möglich ist, die Gefühle der Betreffenden zu fühlen, oder, wie man später sagte, zu "repräsentieren". Durch diese Entdeckungen wurde eine enorme Erweiterung der vorherigen Möglichkeiten geschaffen, über die auf die persönliche Biografie begrenzten Ich-Psychologie hinaus, die in der Folge zu einer Vielfalt von erfolgreichen neuen Therapien führte

(siehe "Derselbe Wind lässt viele Drachen steigen." Carl-Auer-Verlag). 


  Gewöhnlich wird diese Arbeit in einer Gruppe (von 6-15 Personen) durchgeführt. 

Sie kann aber bei entsprechend fundierter Erfahrung mit Gruppen durch den Aufstellungsleiter auch im Einzelsetting ihre lösende und für den Klienten stark entlastende Wirkung entfalten.


 

Es hat sich als häufig bestätigte Hypothese herausgestellt, dass ein Familienmitglied Teile des Schicksals und Verhaltensmuster früher geborener Familienmitglieder nachlebt - ohne sich dessen bewusst zu sein - und hierbei auf merkwürdige Weise in Schwierigkeiten gerät. Oft fühlt sich der betreffende Mensch, als "könne er nicht er selbst sein" (-> "sei nicht du"/ "gehöre nicht dazu").

 

Bei näherem Hinsehen entpuppten sich in der Aufstellungsarbeit so gelebte Verhaltensweisen als Identifizierungen mit "ausgeklammerten" oder "vergessenen" Familienmitgliedern: so kann zum Beispiel die Tochter aus einer zweiten Beziehung ihres Vaters auf unerklärliche Weise eine Rivalität zu ihrer Mutter leben, ohne dass es dafür einen erkennbaren Anlass gäbe.


In der therapeutischen Bearbeitung stellt sich dann als Zusammenhang heraus, dass diese Tochter mit der früheren Frau des Vaters identifiziert ist. So lange die frühere Partnerin und deren Kinder tabuisiert wurden, blieb die Rivalität mit der eigenen Mutter erhalten. In dem Moment, als die Anerkennung und Würdigung der früheren Frau gelang, löste sich das Problem auf. 


Diese Zusammenhänge sind faszinierend und mit unseren heutigen wissenschaftlichen Instrumentarien nur unzureichend erklärbar. Dennoch sind sie in tausendfachen Aufstellungsarbeiten erprobt und wieder und wieder durch Erfolg bestätigt worden. Die schlüssigsten Erklärungen gehen davon aus, dass eine Familie über mehrere Generationen hinweg ein "Feld" bildet, das nach eigenen Gesetzmäßigkeiten funktioniert. "Ausschluss" und "Ausstoßung" lässt dieses Feld über die Generationen hinweg nicht zu.

Während die Skriptmuster, die Eric Berne entdeckt hat, auf die persönliche individuelle Biografie beschränkt blieben, gehen also die transgenerationalen Skripte über die Grenze der Einzelperson hinaus. Wenn der Blick auf das gesamte Familiensystem frei wird, manchmal bis zu Großeltern- und Urgroßelterngeneration,  kann oft erstaunlich schnell eine Entlastung für die sogenannten "Symptomträger" der Familie geschehen. (Hierbei sind in der Therapie keine "Daten" notwendig, denn es geht um die seelischen Zusammenhänge, und die persönliche familiäre Schutzsphäre und Integrität des Klienten bleibt bei dieser Arbeit immer respektiert.)



Literatur hierzu:



Jacob Schneider: "Familienaufstellungen" (Carl-Auer-Verlag)

"Ach, wie gut, dass ich es weiß" (Herder)


Franz Ruppert: "Mehrgenerationale Therapie"/"Verwirrte Seelen"


Bert Hellinger: "Anerkennen, was ist"/ "Finden, was wirkt"/"Der große Konflikt"/"Schicksalsbindungen bei Krebs"/"Wo Ohnmacht Frieden stiftet"


John Payne: "Transgenerational Healing for Individuals, Families and Nations"

Ancelin Schützenberger: "Oh, meine Ahnen!"


"Von den Anfängen bis zum Status Quo":

http://www2.hellinger.com/home/bert-hellinger/interview-mit-bert-hellinger-von-den-urspruengen-zum-status-quo/?tx_felogin_pi1%5Bforgot%5D=1&cHash=1aeb71763ca721946d98b6e2ad3ea888